+ Wissen
R&I-Fließbild: Aufbau, Normen und Symbole.
Ein R&I-Fließbild (Rohrleitungs- und Instrumentenfließbild, englisch P&ID) ist die zentrale Zeichnung einer verfahrenstechnischen Anlage. Es zeigt Apparate, Rohrleitungen, Armaturen und die Mess-, Steuer- und Regeltechnik mit ihrer Kennzeichnung und ihren Verbindungen. Grundlage ist die DIN EN ISO 10628.
+ Begriff
Drei Fließbilder, ein Ziel.
Die DIN EN ISO 10628-1 unterscheidet drei Arten von Fließbildern. Sie entstehen im Projekt nacheinander und werden dabei immer detaillierter.
Grundfließbild
Zeigt die Anlage als Blöcke: Verfahrensschritte, Haupt-Stoffströme, Ein- und Ausgänge. Es dient dem ersten Überblick in Studie und Angebot.
Verfahrensfließbild
Zeigt die wesentlichen Apparate und Maschinen, die Hauptleitungen und die Betriebsbedingungen, oft mit Mengen und Stoffdaten. Im Englischen heißt es Process Flow Diagram (PFD).
R&I-Fließbild
Zeigt die Anlage vollständig: jeden Apparat, jede Rohrleitung mit Nennweite und Rohrklasse, jede Armatur und jede Messstelle. Es ist die verbindliche Grundlage für Rohrleitungsplanung, Leittechnik und Betrieb.
+ Inhalt
Was ein R&I-Fließbild zeigt.
Ein vollständiges R&I-Fließbild beantwortet für jede Komponente drei Fragen: Was ist es, wie ist es verbunden und wie wird es überwacht?
Apparate und Maschinen
Behälter, Kolonnen, Wärmeübertrager, Pumpen und Verdichter, jeweils mit eindeutiger Kennzeichnung und den wichtigsten Auslegungsdaten.
Rohrleitungen
Jede Leitung mit Leitungsnummer, Nennweite, Rohrklasse und Fließrichtung, dazu Isolierung und Begleitheizung, wo vorhanden.
Armaturen
Absperr-, Regel-, Rückschlag- und Sicherheitsarmaturen an ihrer tatsächlichen Position im Leitungsnetz.
MSR- und PLT-Stellen
Messstellen und Regelkreise nach DIN EN 62424 oder ISA-5.1: was gemessen, angezeigt, geregelt oder abgeschaltet wird und wo.
Schnittstellen
Anschlüsse an andere Fließbilder, Anlagenteile und Lieferumfänge, damit der Plansatz lückenlos zusammenpasst.
- Apparate und Maschinen
- Rohrleitungen
- Armaturen
- MSR- und PLT-Stellen
- Schnittstellen
+ Normen
Nach welchen Normen R&I-Fließbilder entstehen.
Welche Norm gilt, legt meist der Auftraggeber fest. In Europa ist die DIN EN ISO 10628 üblich, in internationalen Projekten oft ISA.
DIN EN ISO 10628-1
Legt die Arten von Fließbildern und ihren Inhalt fest: Grund-, Verfahrens- und R&I-Fließbild.
DIN EN ISO 10628-2
Enthält die grafischen Symbole für Apparate, Maschinen, Armaturen und Rohrleitungen.
DIN EN 62424
Regelt die Darstellung der Prozessleittechnik (PLT-Stellen) im Fließbild und den Datenaustausch mit CAE-Systemen.
ISA-5.1
Amerikanische Norm für Symbole und Kennzeichnung der Instrumentierung, verbreitet im internationalen Anlagenbau.
Kundenspezifikation
Viele Betreiber und Anlagenbauer haben eigene Zeichenstandards mit Symbolen, Schriftfeldern und Kennzeichnung. Sie gelten dann zusätzlich zur Norm oder an ihrer Stelle.
- T
- Messgröße: Temperatur
- I
- Verarbeitung: Anzeige
- C
- Verarbeitung: Regelung
- 201.1
- Nummer der PLT-Stelle
+ Im Projekt
Ein Dokument, das mit der Anlage wächst.
Das R&I-Fließbild entsteht nicht auf einmal. Es wird mit jeder Projektphase genauer und bleibt im Betrieb die wichtigste Unterlage der Anlage.
Basic Engineering
Prozessdesign und Regelkreise werden festgelegt, Apparate und Hauptleitungen dimensioniert. Das R&I-Fließbild ist dann Grundlage für Sicherheitsbetrachtungen wie eine HAZOP-Studie.
Detail Engineering
Alle Leitungen, Armaturen und Messstellen werden vollständig erfasst. Aus dem Fließbild entstehen Leitungs-, Armaturen- und Messstellenlisten und die Vorgaben für die 3D-Rohrleitungsplanung.
Betrieb und Umbau
Nach der Inbetriebnahme wird das Fließbild auf den gebauten Zustand (As-Built) gebracht. Bei jedem Umbau ist es die Grundlage, um Änderungen zu planen und zu dokumentieren.
Sie brauchen ein R&I-Fließbild?
Wir erstellen, aktualisieren und digitalisieren R&I-Fließbilder nach DIN EN ISO 10628, ISA oder Ihrer Spezifikation, für Anlagenbauer und Anlagenbetreiber.

